Ein Split-Klimagerät stellt keine Kälte her. Es transportiert Wärme aus dem Raum nach draußen, mehr nicht. Wer das einmal verstanden hat, versteht auch, warum dasselbe Gerät im Winter heizen kann, warum am Innengerät Wasser anfällt und warum ein Laie den Kältekreis nicht öffnen darf.
Zwei Geräte und zwei Leitungen
„Split" heißt geteilt. Die Anlage besteht aus zwei Teilen, die an unterschiedlichen Orten hängen.
Das Innengerät sitzt im Raum, meist als flaches Gehäuse oben an der Wand. Ein leiser Ventilator zieht Raumluft an, führt sie über einen Wärmetauscher und bläst sie gekühlt zurück.
Das Außengerät hängt an der Fassade, steht auf dem Flachdach oder auf einem Sockel im Garten. Darin arbeiten der Verdichter und ein zweiter Wärmetauscher, über den die Wärme an die Außenluft abgegeben wird.
Zwischen beiden laufen zwei Kupferleitungen und eine Steuerleitung, dazu eine Leitung für das Kondensat. Die Kupferleitungen sind isoliert und meist in einem Kanal geführt. Ihre Länge ist begrenzt: Je nach Gerät sind zwischen 15 und 30 Metern zulässig, und ab einer bestimmten Länge muss Kältemittel nachgefüllt werden. Das ist einer der Punkte, die sich erst am Gebäude klären lassen.
Was im Kältekreis passiert
Im Kreis zwischen beiden Geräten zirkuliert ein Kältemittel. Es hat eine Eigenschaft, auf der die ganze Technik beruht: Es verdampft schon bei niedrigen Temperaturen und nimmt dabei Wärme auf. Vier Bauteile führen es im Kreis.
- Verdampfer — im Innengerät. Das flüssige Kältemittel verdampft und entzieht der vorbeiströmenden Raumluft dabei Wärme. Die Luft kühlt ab.
- Verdichter — im Außengerät. Er saugt das Gas an und presst es zusammen. Dabei steigt seine Temperatur deutlich über die Außentemperatur.
- Verflüssiger — ebenfalls im Außengerät. Das heiße Gas gibt seine Wärme an die Außenluft ab und wird wieder flüssig.
- Expansionsventil — es entspannt das flüssige Kältemittel, das dadurch stark abkühlt und wieder in den Verdampfer läuft.
Der Kreis schließt sich, und das Spiel beginnt von vorn. Der Strom wird nicht in Kälte umgewandelt — er treibt nur den Verdichter an, der die Wärme gegen ihre natürliche Richtung schiebt. Genau deshalb bringt ein Split-Gerät ein Vielfaches der aufgenommenen elektrischen Leistung als Kälteleistung in den Raum. Die Kennzahl dafür heißt SEER und wird nach EN 14825 über eine ganze Kühlperiode ermittelt.
Warum das Gerät auch heizen kann
Kehrt ein Vierwegeventil die Richtung des Kältemittels um, tauschen die beiden Wärmetauscher ihre Aufgaben: Das Außengerät nimmt Wärme aus der Außenluft auf, das Innengerät gibt sie in den Raum ab. Aus dem Klimagerät wird eine Luft-Luft-Wärmepumpe.
Das ist kein Zusatz und kein Trick, sondern derselbe Kreislauf rückwärts. Fast jedes heute verkaufte Split-Gerät kann beides. Was das im Winter praktisch bedeutet, steht in einem eigenen Beitrag — zwei Dinge gehören aber schon hierhin: Eine Luft-Luft-Wärmepumpe erwärmt die Raumluft direkt und bereitet kein Warmwasser. Und sie ersetzt keine Zentralheizung, sondern temperiert einzelne Räume.
Warum Wasser anfällt
Warme Luft hält mehr Feuchtigkeit als kalte. Streicht Raumluft über den kalten Wärmetauscher des Innengeräts, fällt ein Teil dieser Feuchtigkeit als Kondensat aus — dasselbe, was an einem kalten Getränkeglas passiert. Das Wasser sammelt sich in einer Wanne und läuft über eine Leitung ab, im günstigen Fall mit Gefälle nach draußen, sonst über eine kleine Pumpe.
An einem schwülen Tag kommen dabei mehrere Liter zusammen. Das ist der Grund, warum sich ein Raum mit Klimagerät nicht nur kühler, sondern spürbar angenehmer anfühlt als es die reine Temperatur erklärt. Es ist zugleich der häufigste Punkt, an dem eine schlecht ausgeführte Montage auffällt: Ein Kondensatablauf ohne durchgehendes Gefälle staut, und irgendwann steht das Wasser an der Wand.
Inverter: Warum moderne Geräte nicht ein- und ausschalten
Ältere Anlagen kannten nur zwei Zustände. Der Verdichter lief mit voller Leistung, bis die eingestellte Temperatur erreicht war, dann schaltete er ab — und kurz darauf wieder ein. Dieses Takten kostet Strom, hält die Temperatur nur grob und ist hörbar.
Ein Inverter regelt die Drehzahl des Verdichters stufenlos. Nach dem Herunterkühlen läuft er mit einem Bruchteil seiner Leistung weiter und hält die Temperatur, statt sie immer wieder einzufangen. Das hat drei Folgen, die im Alltag mehr zählen als jedes Datenblatt: Der Verbrauch sinkt, die Temperatur schwankt weniger, und das Gerät ist im Teillastbetrieb deutlich leiser als bei der Angabe für Volllast.
Warum ein Laie den Kreis nicht öffnen darf
Der Kältekreis ist geschlossen und steht unter Druck. Wer ihn öffnet, arbeitet mit einem fluorierten Treibhausgas — und das ist geregelt. Die F-Gase-Verordnung (EU) 2024/573 verlangt für Tätigkeiten an solchen Kreisläufen einen personenbezogenen Sachkundenachweis, in Deutschland ergänzt durch die Chemikalien-Klimaschutzverordnung, die für Betriebe ein Zertifikat vorschreibt.
Das betrifft auch die vorgefüllten Geräte aus dem Baumarkt, sobald jemand die Leitungen anschließt und den Kreis öffnet. Dazu kommen die handwerklichen Punkte, an denen eine Anlage tatsächlich scheitert: Die Leitungsenden müssen sauber gebördelt sein, der Kreis muss vor der Inbetriebnahme evakuiert werden, damit weder Luft noch Feuchtigkeit darin bleiben, und die Dichtheit muss geprüft sein. Eine Anlage, bei der einer dieser Schritte fehlt, läuft zunächst und verliert dann über Monate Kältemittel.
Was Sie daraus mitnehmen
- Das Gerät transportiert Wärme, es erzeugt keine Kälte. Deshalb ist es effizient, und deshalb kann es rückwärts auch heizen.
- Kondensat ist normal und gewollt — der Ablauf entscheidet, ob es unauffällig bleibt.
- Ein Inverter ist heute der Regelfall und der Grund dafür, dass ein modernes Gerät nachts leise bleibt.
- Alles, was den Kältekreis betrifft, gehört in fachkundige Hände. Das ist keine Vorsicht, sondern Vorschrift.
Wenn Sie wissen möchten, welche Geräteleistung Ihre Räume brauchen, führt Sie der Konfigurator in wenigen Schritten zu einer Einschätzung. Verbindlich wird sie erst, wenn die Lage vor Ort bekannt ist.
Häufige Fragen
Alle Angaben ohne Gewähr. Stand 4. August 2026. Was in Ihrem Fall zulässig und sinnvoll ist, hängt vom Gebäude ab — verbindlich wird das erst nach dem Ortstermin.