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VentoKlima

Planung und Auslegung

Kühllast berechnen: Wie groß das Gerät sein muss

Warum die Faustformel pro Quadratmeter oft danebenliegt, was wirklich in die Kühllast eingeht und warum ein zu großes Gerät schlechter kühlt als ein passendes.

Frau misst mit einem Laser-Entfernungsmesser die Glasfläche eines Fensterbandes, im Hintergrund das Innengerät an der Stirnwand.

Die häufigste Frage vor einem Angebot lautet: Wie stark muss das Gerät sein? Die Antwort steckt in der Kühllast — der Wärmemenge, die in einer Stunde aus dem Raum heraus muss, damit die gewünschte Temperatur hält. Sie hängt weniger an der Grundfläche, als die meisten annehmen, und mehr an Fenstern, Himmelsrichtung und Dach.

Was die Kühllast wirklich ausmacht

Vier Posten kommen zusammen. Nur einer davon hat mit der Größe des Raums zu tun.

Solare Last durch Fenster. Der mit Abstand größte Einzelposten. Durch ein unverschattetes Fenster nach Süden oder Westen kommen an einem klaren Sommertag mehrere hundert Watt je Quadratmeter Glasfläche in den Raum. Ein Zimmer mit vier Quadratmetern Fensterfläche nach Westen trägt daran schwerer als am gesamten Rest.

Transmission durch Wände und Dach. Wärme, die von außen durch die Bauteile wandert. Hier zeigt sich der Unterschied zwischen einem gedämmten Neubau und einem Dachgeschoss unter einem dunklen Flachdach am deutlichsten. Ein ungedämmtes Dach über dem Kopf verdoppelt die Aufgabe.

Innere Lasten. Alles im Raum, was Wärme abgibt. Ein Mensch im Sitzen rund 80 Watt, ein Arbeitsplatz mit Rechner und Bildschirm je nach Ausstattung 100 bis 200 Watt, dazu Kühlschrank, Beleuchtung, Netzteile. In einem Büro mit vier Arbeitsplätzen ist das kein Nebeneffekt mehr, sondern der zweitgrößte Posten.

Luftwechsel. Warme Außenluft, die durch geöffnete Fenster, Türen oder Undichtigkeiten hereinkommt. Ein gekippt stehendes Fenster kann die Rechnung eines ganzen Nachmittags zunichtemachen.

Die Speichermasse des Gebäudes wirkt dagegen. Ein schwerer Massivbau nimmt tagsüber Wärme auf und gibt sie nachts ab; ein leichter Trockenbau tut das nicht. Deshalb steht in einer sauberen Berechnung nach VDI 2078 nicht nur, wie viel Wärme anfällt, sondern auch wann.

Warum die Faustformel oft danebenliegt

Im Netz kursiert die Regel: 60 Watt je Quadratmeter Wohnfläche, 100 Watt bei ungünstigen Bedingungen. Für eine erste Orientierung taugt sie, für eine Bestellung nicht.

Rechnen Sie zwei Räume mit jeweils 20 Quadratmetern gegen:

  • Schlafzimmer im Erdgeschoss, Fenster nach Norden, zwei Quadratmeter Glas, Massivbau, nachts eine Person: Die Faustformel sagt 1,2 kW. Tatsächlich reicht deutlich weniger.
  • Dachgeschossbüro, Fensterband nach Westen mit fünf Quadratmetern Glas, ungedämmtes Flachdach, zwei Arbeitsplätze: Die Faustformel sagt ebenfalls 1,2 kW. Tatsächlich liegt der Bedarf bei einem Mehrfachen davon.

Zwei gleich große Räume, dieselbe Formel, völlig verschiedene Anlagen. Die Grundfläche ist der schwächste der vier Posten — sie steht in der Formel nur deshalb, weil sie am leichtesten zu messen ist.

Zu groß ist nicht sicherer

Wer unsicher ist, greift zur nächstgrößeren Leistungsstufe. Das ist bei Klimageräten der falsche Reflex, und zwar aus drei Gründen.

Ein überdimensioniertes Gerät erreicht die eingestellte Temperatur in wenigen Minuten und geht dann in die kleinste Stufe oder schaltet ab. Ein Inverter federt das ab, aber auch er hat eine Mindestleistung. Unterhalb davon taktet das Gerät: an, aus, an.

Die zweite Folge merkt man körperlich. Entfeuchtet wird nur, solange Luft über den kalten Wärmetauscher streicht. Ein Gerät, das kurz kühlt und lange steht, zieht kaum Feuchtigkeit aus der Luft. Der Raum ist dann kühl und trotzdem schwül — bei 24 Grad und hoher Feuchte fühlt es sich unangenehmer an als bei 26 Grad und trockener Luft.

Die dritte Folge ist Verschleiß. Jeder Anlauf belastet den Verdichter stärker als Dauerbetrieb in Teillast. Ein passend ausgelegtes Gerät läuft die meiste Zeit leise auf halber Kraft — genau dort, wo es am sparsamsten arbeitet.

So kommen Sie zur richtigen Leistung

  1. Räume einzeln aufnehmen. Jeder Raum bekommt seine eigene Rechnung. Ein Gerät im Flur kühlt keine geschlossenen Zimmer.
  2. Fenster messen und die Himmelsrichtung notieren. Glasfläche, Ausrichtung und vorhandene Verschattung — außenliegender Sonnenschutz senkt die solare Last erheblich, innenliegende Vorhänge kaum.
  3. Bauteile über dem Raum prüfen. Liegt darüber eine beheizte Wohnung, ein ungedämmter Dachboden oder ein Flachdach?
  4. Innere Lasten zählen. Wie viele Menschen halten sich wie lange im Raum auf, welche Geräte laufen dabei?
  5. Ergebnis mit der Nennkälteleistung vergleichen. Diese steht im Datenblatt nach EN 14511 und gilt für festgelegte Bedingungen. Bei 35 Grad Außentemperatur liefert dasselbe Gerät weniger als beim Normwert.
  6. Bei mehreren Räumen die Gleichzeitigkeit berücksichtigen. Eine Multi-Split-Anlage bedient mehrere Innengeräte an einem Außengerät. Ausgelegt wird sie nicht auf die Summe aller Räume, sondern auf das, was tatsächlich gleichzeitig läuft.

Wo die Rechnung endet und der Ortstermin beginnt

Alles bis hierhin lässt sich am Schreibtisch aus Maßen und Angaben ermitteln. Was sich dort nicht klären lässt: wo das Außengerät hin darf, wie die Leitungen geführt werden, ob die vorhandene Elektroinstallation den Anschluss trägt und was die Nachbarschaft an Schall verträgt. Diese vier Punkte entscheiden am Ende genauso über die Anlage wie die Kühllast.

Eine erste Einschätzung für Ihre Räume liefert der Konfigurator — er fragt genau die Angaben ab, die oben stehen. Wie das Gerät die berechnete Leistung überhaupt in den Raum bringt, steht im Beitrag Wie eine Split-Klimaanlage funktioniert.

Häufige Fragen

Nur als grobe Orientierung für einen durchschnittlichen Raum. Bei großen Fenstern nach Süden oder unter einem Flachdach liegt der Wert deutlich höher, bei einem Nordzimmer im Erdgeschoss darunter.

Es kühlt schnell herunter und schaltet ab, statt in Teillast durchzulaufen. Die Luft wird dabei weniger entfeuchtet, die Temperatur schwankt stärker, und der Verdichter verschleißt früher.

Ja. Die Kühllast hängt am Raumvolumen und an den Flächen, nicht an der Grundfläche allein. Ein Altbauzimmer mit 3,20 Metern Höhe braucht mehr als ein gleich großer Raum mit 2,50 Metern.

Alle Angaben ohne Gewähr. Stand 8. August 2026. Was in Ihrem Fall zulässig und sinnvoll ist, hängt vom Gebäude ab — verbindlich wird das erst nach dem Ortstermin.